„Safe Abortion Day“, 28. September!
von Un Bekannt
International Safe Abortion Day
Für sichere legale Schwangerschaftsabbrüche!
Für uns ist dieser Tag Anlass, uns für eine Gesellschaft einzusetzen, in der Menschen in schwierigen Lebenssituationen nicht mit Angst, Beschämung oder Zwang konfrontiert werden, sondern mit Respekt, guter medizinischer Versorgung und solidarischer Begleitung.
Ein Schwangerschaftsabbruch ist keine abstrakte moralische Frage. Er betrifft einen konkreten Menschen, einen konkreten Körper und ein konkretes Leben.
Darum zählen sichere Schwangerschaftsabbrüche zu den reproduktiven Rechten. Dazu zählt das Recht, selbst darüber zu entscheiden, ob und wann eine Schwangerschaft ausgetragen wird, ob jemand Kinder haben möchte und unter welchen Bedingungen Elternschaft möglich ist. Dazu gehören Zugang zu Verhütungsmitteln, zu verlässlichen Informationen, zu guter Gesundheitsversorgung – und zu einem sicheren Schwangerschaftsabbruch.
Reproduktive Freiheit bedeutet jedoch nicht, dass Entscheidungen leicht sind. Sie bedeutet, dass sie den Menschen gehören, die mit ihren Folgen leben.
Deshalb lehnen wir es ab, dass der Staat Menschen dazu zwingt, eine Schwangerschaft gegen ihren Willen fortzuführen. Wer eine Schwangerschaft fortführen muss, weil das Gesetz keine Wahl lässt, handelt nicht frei. Ein Gesetz kann keine Schwangerschaft erzwingen. Es kann keine verantwortliche Entscheidung, keine tragfähige Beziehung und keine fürsorgliche Gemeinschaft hervorbringen. Verbote nehmen Menschen ihre Handlungsmöglichkeiten, aber nicht die Situationen, Konflikte und Gründe, aus denen Schwangerschaftsabbrüche entstehen.
Für uns beginnt Solidarität deshalb mit Zuhören.
Nicht jede Schwangerschaft ist willkommen. Nicht jede kann ohne Gefahr fortgesetzt werden. Nicht jeder Mensch verfügt über Geld, Sicherheit, Unterstützung oder ein Zuhause. Manche Schwangerschaften entstehen in Gewaltverhältnissen. Andere geraten mit der eigenen Gesundheit, der familiären Situation oder der Zukunft eines Menschen in Konflikt.
Wer von Verantwortung spricht, muss auch diese Realitäten ernst nehmen.
Es reicht nicht, abstrakt vom Schutz des Lebens zu sprechen und die Betroffenen anschließend mit Schwangerschaft, Geburt, Armut, Erziehungsarbeit oder Gewalt allein zu lassen. Eine Gesellschaft, die das Leben achtet, muss Bedingungen schaffen, unter denen Menschen tatsächlich leben können: Sie muss medizinische Versorgung, soziale Sicherheit, Schutz vor Gewalt sowie Unterstützung für Familien und Kinder gewährleisten.
Und sie muss akzeptieren, dass Fürsorge nicht zwangsläufig bedeutet, eine Schwangerschaft fortzuführen.
Wir glauben an die Würde des Menschen und an die Bedeutung des Gewissens. Beides verliert seinen Sinn, wenn Entscheidungen erzwungen werden. Ethische Verantwortung braucht Freiheit. Sie braucht Informationen, Begleitung und Menschen, die bleiben – auch wenn eine Entscheidung nicht ihre eigene wäre.
Safe Abortion bedeutet deshalb mehr als einen medizinischen Eingriff ohne vermeidbare Gefahren. Es bedeutet, dass niemand wegen einer ungewollten Schwangerschaft kriminalisiert, beschämt oder in Unsicherheit gedrängt wird. Es bedeutet auch, dass Einkommen, Herkunft oder Wohnort nicht darüber entscheiden, wer Zugang zu guter Versorgung hat. Und dass Menschen ihre reproduktiven Rechte ausüben können, ohne ihre Würde verteidigen zu müssen.
Am Safe Abortion Day stehen wir für diese Freiheit ein.
Für das Recht, eine Schwangerschaft fortzuführen.
Für das Recht, sie zu beenden.
Für das Recht, Kinder zu bekommen.
Für das Recht, keine Kinder zu bekommen.
Wir stehen für eine Gesundheitsversorgung, die Menschen nicht bevormundet.
Und für Gemeinschaften, die nicht zuerst fragen: „War deine Entscheidung richtig?“, sondern: „Was brauchst du?“
Denn Solidarität zeigt sich nicht darin, anderen Menschen die eigene Überzeugung aufzuzwingen.
Sie zeigt sich darin, ihnen Freiheit zu lassen – und sie nicht allein zu lassen.