500 Jahre Täuferbewegung, Wort gewagt!

Bildungseliteverlust

Verlust der Bildungselite

Was auf dieser Seite (Verlust der Bildungselite) zu lesen ist, sind Fragmente, die darauf warten, aufgegriffen, mit Wissen gefüllt und verändert zu werden. Wer daran interessiert ist, möge sich melden. Ziel ist die gemeinsame Erarbeitung einer kurzen Abhandlung in Form eines kollaborativen Schreibens (Multi-Autorenschaft).

Stand Juli 23

Fragmente: Verlust der Bildungselite

Die Trennung von Kirche und Staat war für die Obrigkeit in den 1520er Jahren ebenso undenkbar und radikal wie das Eintreten der Täufer für Religionsfreiheit. Beide Forderungen wurden von den weltlichen und kirchlichen Autoritäten als anarchisch betrachtet und daher sofort verfolgt.

Die frühe Täuferbewegung wurde oft als eine Bewegung der Bauern und Ungebildeten abgetan – ein Ruf, der ihr bis in die jüngste Zeit anhaftet. Tatsächlich waren unter den ersten Täufern alle gesellschaftlichen Schichten vertreten. Nachdem durch die Praxis der Bekenntnistaufe Fakten geschaffen worden waren, verlor die Bewegung jedoch in den ersten zwei Jahren durch Verfolgung und Ermordung fast ihre gesamte Bildungselite.

Die Verfolgung der Täuferbewegung hatte weitreichende negative Folgen. Um dem ständigen Druck zu entgehen, zogen sich viele Täufer in abgelegene Gebiete zurück oder passten sich unauffällig an ihre Umgebung an, um nicht aufzufallen. Sie zogen sich in soziale Isolation zurück. Diese Anpassung führte dazu, dass viele der ursprünglichen Ideale verwässert wurden. Besonders betroffen war die Gleichberechtigung der Geschlechter: Frauen, die in den frühen Jahren der Bewegung oft eine aktive Rolle als Predigerinnen und Leiterinnen gespielt hatten, wurden zunehmend in traditionelle Rollen zurückgedrängt. Die Aufgabe der Geschlechtergleichheit auf allen Ebenen war eine direkte wenn auch unbeabsichtigte Folge der Bemühungen, unter Verfolgung zu überleben.

Es grenzt an ein Wunder, dass nachfolgende Generationen von Amischen (es sind nicht Old Order und Co gemeint) und Mennoniten in Europa unter diesen Bedingungen so lange überlebt haben. Der Preis war jedoch hoch: Sie blieben in vielerlei Hinsicht weit hinter ihrem eigenen Aufbruch zurück.

Der Verlust der Bildungselite, insbesondere im theologischen und wissenschaftlichen Bereich, und seine Folgen müssen bei der Beschäftigung mit der Täuferbewegung berücksichtigt werden. Die Verfolgung der Täufer dauerte lange an und die Folgen wirken bis heute nach. Obwohl sich in den folgenden Jahrhunderten immer wieder einzelne Mitglieder der Bildungselite der Bewegung anschlossen, blieb das Vakuum bestehen. Erst mit der Gründung der ersten mennonitischen Universitäten in den USA und später in Kanada wurde dieser Mangel teilweise behoben. Es stellt sich die Frage, welche Anstrengungen diese Universitäten unternehmen, um die ursprünglichen Lehren Jesu zu erforschen.

In Europa war die Situation anders: Sprachbarrieren, mangelnde Ressourcen und das europäische Nationalstaatentum verhinderten die Ausbildung eigener Bildungseliten. Eine Ausnahme bildeten die Niederlande. Dies führte dazu, dass das täuferische Verständnis und die Friedenstheologie auf hohem Niveau nicht weiterentwickelt werden konnten. Einige Mennonitengemeinden nördlich von Basel griffen auf landeskirchlich ausgebildete Prediger zurück, was die Verwässerung täuferischer Werte beschleunigte. Die Aufgabe der Wehrlosigkeit war nur eine Frage der Zeit.

Erst ab den 1950er Jahren gab es im deutschsprachigen Raum neue Aufbruchsversuche.

Mit angezogener Bremse zu fahren, bedeutet, sich von der Konstantinischen Wende losgesagt zu verstehen, aber dennoch Bibeln, die von diesem System zusammengestellt wurden, in dessen Verständnis zu gebrauchen.

Hinweis/Nachtrag, Juli 2024:
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