500 Jahre Täuferbewegung, Wort gewagt, mit Mut zur Liebe!

Täufergeschichte

Wer versucht, die Geschichte der Täufer:innen zu erklären, die in ihrer Zeit unter der Sammelbezeichnung „Täufer“ zusammengefaßt wurden, stößt auf ihre Vielfalt: Sie waren nie eine einheitliche Bewegung, entstanden an verschiedenen Orten zur gleichen Zeit, und was für die einen gilt, kann für die anderen widersprüchlich sein. Der Einfachheit halber wird hier, wenn auch nur oberflächlich, auf Gegebenheiten der ersten Jahre in Zürich und Umgebung eingegangen. Die Quellen stammen teilweise wörtlich aus dem Mennonitischen Lexikon.
Im Anhang findet sich eine Literaturliste mit Büchern, die ein tieferes Eintauchen in die Geschichte ermöglichen.

Schriften, in denen die Täufer:innen zum ersten Mal erwähnt werden, stammen aus Zürich und Basel, von Huldrych Zwingli und Johannes Oecolampadius, geschrieben im Jahr 1525. Zwingli spricht in seinen Büchern von Täufern, verwendet nicht den abwertenden Begriff Wiedertäufer, in einer späteren Hauptschrift im Jahr 1528 ersetzt er Täufer durch Catabaptist.

Die Täufer:innen selber verstanden sich als Geschwister in Christo.

Die Täuferbewegung in Zürich ging letztlich mit langem Vorlauf aus einem Kreis enger Freunde und Anhänger Zwinglis hervor, die ihrem Glauben folgten, nachdem es ihnen nicht gelungen war, Zwingli und den Stadtrat für eine Erneuerung der Kirche der Gläubigen nach dem Vorbild von Urgemeinden zu gewinnen. Sie wollten nicht wie Zwingli eine Reformation der langsamen Schritte, nicht eine obrigkeitlich verfaßte Kirche durch Korrekturen stützen, keine Abspaltung. – Da jedoch eine Erneuerung der Kirche im Sinn von Restitution[1] nicht zugelassen wurde, folgten sie ihrem Gewissen in Form eines radikalen Neubeginns.
Diese frühen Täufer:innen waren nach der konstantinischen Wende nicht die ersten, die sich daran machten, die ursprünglich rein innerjüdischen Diskussionen zu den in der Bergpredigt gesammelten Texten wieder aufzugreifen. Neu war die Ernsthaftigkeit, mit der sich nun eine wachsende Bewegung daran machte, diese Texte im eigenen Leben umzusetzen. Sie taten dies im Bewußtsein, als aus den Völkern Hinzugekommene – also als Menschen außerhalb des jüdischen Volkes –, denen durch den jüdischen Messias Jesus der Zugang zu dem einen Gott, der Israel herausgerufen hat, eröffnet wurde.[1] So erklärt sich auch, wie es am 21. Januar 1525 bei einem Treffen von etwa fünfzehn Personen im Haus der Mutter von Felix Manz in der Neustadtstraße zu dem spontanen Wunsch kam, nach dem Bekenntnis des Glaubens hin getauft zu werden – als Ausdruck einer hermeneutischen Gemeinschaft, die aus tiefstem Herzen dem Ruf Gottes nachkommt und sich nicht anders entscheiden kann, als dem Exempel Jesus mit dem Leben zu folgen.

Bei der Suche nach einem Datum für den Beginn der Täuferbewegung hat man sich auf diese Taufe im Jahr 1525 als Gründungsjahr der Bewegung geeinigt.
Die Bewegung selbst ist auch in Zürich viel älter, aber die Verbindlichkeit hat mit der Taufe eine andere Dimension bekommen.

Ohne den radikalen Schritt der Ablehnung der Säuglingstaufe hin zur Glaubens- oder Bekenntnistaufe, wie sie im Januar 1525 in Zürich und bald darauf im benachbarten Zollikon vollzogen wurde, wäre die Erwachsenentaufe in der Reformationszeit nicht so heftig diskutiert und als Bedrohung des corpus christianum empfunden worden.

Die Bedrohung durch die Täuferbewegung führte zu wichtigen Disziplinarmaßnahmen in der Zürcher Landeskirche, die dazu dienen sollten, einzelne Täufer:innen aufzuspüren und ihre Aktivitäten zu unterbinden. Die Einführung des obligatorischen Taufregisters am 24. Mai 1526, die obligatorische Eheschließung in den Kirchengebäuden (die Täufer:innen heirateten in ihren eigenen Konventikeln), gehören zu solchen Maßnahmen.

Die Zürcher Obrigkeit war zunehmend beunruhigt über die Anführer der Täufer, die weder durch Disputationen noch durch wiederholte Verhaftungen zum Schweigen gebracht werden konnten. Am 7. März 1526 wurden Manz, Grebel und Blaurock zu Gefängnisstrafen bei Wasser und Brot verurteilt. Sie sollten im „Neuen Turm“ bleiben, bis sie dort „ersterben“ würden. Der Rat war entschlossen, die Fortsetzung täuferischer Aktivitäten künftig mit dem Ertränken zu bestrafen. Zwei Wochen später entkamen die Gefangenen. Nachdem Manz im Dezember 1526 wieder gefasst worden war, machte der Rat seine Drohung wahr. Im Gegensatz zu seinem Mitgefangenen Blaurock hatte Manz die Urfehde gebrochen, ein feierliches Gelübde, keine Erwachsenen mehr zu taufen. Er wurde isoliert und am 5. Januar 1527 an Händen und Füssen gefesselt von einem Lastkahn in die Limmat gestoßen. So wurde er zum ersten und bedeutendsten Märtyrer der Zürcher Täufer.

Im Jahr 1529 wurde vom Rat der Stadt Zürich die obligatorische Teilnahme am Staatsgottesdienst beschlossen. Der berechtigten Kritik der Täufer am niedrigen sittlichen Stand des Klerus wie auch der Bevölkerung im Allgemeinen begegnete man mit scharfen Vorschriften gegen die häufigsten Laster und einer Anhebung der Anforderungen an den Klerus. All diese Maßnahmen wurden in dem scharfen und umfassenden Mandat vom 26. März 1530 (Das Große Sittenmandat) zusammengefasst und verschärft, das in seinem Paragraphen Nr. 9 einen direkten Angriff gegen die Täufer enthielt. Dieser Paragraph verbot den Täufern unter Androhung schwerer Strafen jegliche Hilfe oder Unterkunft, denn „der Rat wird sie in keiner Weise dulden“, und verlangte von allen Geistlichen und Behörden, jeden bekannten Täufer, der sich von der Kirche trennen wollte, sofort zu melden. Die Täufer wurden verurteilt, weil sie zur „Zerstörung aller Autorität“ führten. Dies war ein Erlass des bürgerlichen Staates, der zum Teil die bitteren Anschuldigungen der katholischen Kantone entkräften sollte, dass Zürich diese „lasterhafte Sekte“ dulde, aber auch dazu diente, der Bedrohung durch eine Bewegung zu begegnen, die den Eid und jeden Militärdienst ablehnte, obwohl die Täufer im Kreuzverhör leugneten, dass sie „gegen den Staat predigten“, und es gibt keinen direkten Beweis dafür, dass sie zu dieser Zeit beschuldigt wurden, das militärische Potenzial des Staates in seinem Kampf mit den katholischen Kantonen zu verringern. Im Jahr 1531 veröffentlichte Bullinger sein erstes Buch gegen sie, Von dem unverschampten fraejel. Sein zweites Buch gegen sie, Der Widertöufferen ursprung, erschien 1560.

Die schnell einsetzende Vertreibung und Verfolgung bewirkten, dass sich die Ideen der Täufer noch schneller verbreiteten. Die Verfolgungen prägten die Theologie und die Frömmigkeit der Gläubigen auf besonders wirksame Weise. Täufer:innen mussten ständig mit Verfolgungen rechnen, so dass Verfolgung zu einem zentralen Thema wurde, wenn sie darüber nachdachten, was es bedeutet, eine Christ:in zu sein.

Literaturliste

Geschichte

Täufer
Von der Reformation ins 21.
Autorin: Astrid von Schlachta
Taschenbuch: kartoniert, 431 Seiten
ISBN: 978-3825253363

Glaube und Tradition in der Bewährungsprobe
Weltweite Täuferisch-mennonitische Geschichte
Autoren: Hanspeter Jecker, Alle G. Hoekema
Taschenbuch; 432 Seiten
ISBN 978-3943362077

Speziell auf Zürich zugeschnitten
Eifriger als Zwingli
Die frühe Täuferbewegung in der Schweiz
Autorin: Andrea Strübind
Gebundene Ausgabe: ‎ 621 Seiten
ISBN ‏978-3428185849

Theologie

Es ist schwierig, richtungsweisende Literatur zur Theologie der Täufer in der Gegenwart zu finden. Am ehesten sind Schriften von J. Denny Weaver zu nennen.


1. N.v. Abhandlung, Täufer und Zürich. J. Keller 1996