Digitaler Donnerstag: Wehrdienst – echt jetzt?! Dein, mein und unser Friedenszeugnis“
von Un Bekannt
Mit der Überschrift „Wehrdienst – echt jetzt?! Dein, mein und unser Friedenszeugnis“ laden das Mennonitische Friedenszentrum Berlin (MFB), das Deutsche Mennonitische Friedenskomitee (DMFK) und Christliche Dienste (CD) zu vier Online-Abenden ein.
Geschichtsvergessen, bellizistisch enthemmt und im Widerspruch zum Friedensauftrag des Grundgesetzes wird Kriegstreiberei heute als Verantwortung verkauft. Wenn öffentlich über Erstschlag, präventiven Erstschlag und militärische Durchsetzungsfähigkeit gesprochen wird, während ernsthafte Anstrengungen zur Deeskalation nicht einmal ansatzweise erkennbar sind, dann ist das keine Sicherheitspolitik, sondern Eskalationspolitik. Künstlich aufgebaute Feindbilder sollen die Bevölkerung an Aufrüstung, Wehrdienst und Kriegsbereitschaft gewöhnen. Das „Nie wieder“, zu dem sich die Bundesrepublik Deutschland als Grundlage für Gegenwart und Zukunft verpflichtet hat, wird damit zur Farce – nicht am Rand, sondern im Zentrum offizieller Politik. Dies in nahezua allen Bereichen.
Das Grundgesetz verpflichtet staatliches Handeln zum Frieden. Bereits die Präambel spricht davon, „dem Frieden der Welt zu dienen“. Art. 1 Abs. 2 GG bekennt sich zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage von Frieden und Gerechtigkeit. Artikel 26 GG verbietet Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören. Auch die UN-Charta verpflichtet zur friedlichen Beilegung von Streitigkeiten und verbietet die Androhung und Anwendung von Gewalt. Wer dennoch Feindbilder schürt, Aufrüstung vorantreibt und militärische Eskalation vorbereitet oder denkbar macht, handelt gegen diesen Auftrag.
Unsere Sicherheit ist nicht gegen die Sicherheit unserer Nachbarstaaten, zu denen auch Russland gehört, zu haben. Sicherheit entsteht nicht durch Aufrüstung, Militarisierung und Wehrpflicht, sondern durch Abrüstung, Entmilitarisierung, Diplomatie, zivile Konfliktbearbeitung und die konsequente Einforderung des Rechts. Grundrechte, Menschenrechte, Gewissensfreiheit und das Recht auf Kriegsdienstverweigerung sind keine politische Verhandlungsmasse. Sie sind geltendes Recht. Als Bevölkerung und als Friedenskirchen haben wir die Pflicht, auf der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu bestehen und darauf zu drängen, dass alle Gesetze und Verordnungen zurückgenommen werden, die Grundrechte einschränken, Freiheitsrechte aushöhlen oder Menschen in eine militärische Verwertungslogik zwingen.
Politiker:innen, die öffentlich über Erstschlag oder präventiven Erstschlag sprechen, Feindbilder produzieren und zugleich erkennbare Anstrengungen zur Deeskalation verweigern, betreiben keine verantwortliche Politik. Sie betreiben Kriegstreiberei — im Widerspruch zum Friedensauftrag des Grundgesetzes, zur UN-Charta und zum „Nie wieder“, auf das sich diese Gesellschaft nach 1945 verpflichtet hat.
Digitaler Donnerstag 2026: Wehrdienst – echt jetzt?!
Dein, mein und unser Friedenszeugnis
Zum Digitaler Donnerstag (DigiDo), diese Reihe im September 2026 will informieren, widersprechen, einordnen und zur Klärung beitragen. Sie richtet sich an alle, die sich nicht mit allgemeinen Bekenntnissen zum Frieden zufriedengeben, sondern fragen: Was heißt das konkret – heute, politisch, kirchlich und persönlich?
3. September: Wehrdienst, Wehrpflicht und Kriegsdienstverweigerung
Der erste Abend ist eine Einführung in die aktuelle Debatte. Es geht um das Wehrdienstgesetz, die mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht, das Recht auf Kriegsdienstverweigerung und die historische Haltung von Mennonitinnen und Mennoniten. Fragen können bereits im Vorfeld eingereicht werden.
10. September: Friedensdienste statt Wehrdienst?
Am zweiten Abend stehen Friedensdienste im Mittelpunkt – als möglicher ziviler Ausweg aus militärischer Verpflichtung, ohne den Militärdienst als legitime Normalität anzuerkennen. Thema sind die aktuellen politischen Entwicklungen rund um das Wehrdienstmodernisierungsgesetz und seine möglichen Folgen für internationale Freiwilligendienste. Ehemalige Freiwillige berichten von ihren Erfahrungen im Ausland. Zu Gast ist außerdem Jan-Thilo Klimisch, Referent für internationale Freiwilligendienste bei der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF). Es wird diskutiert, wie anerkannte und geförderte Friedensdienste im Ausland erhalten und gestärkt werden können.
17. September: Friedenskirche weltweit
Am dritten Abend berichten Vertreter:innen von der Iglesia Cristiana Menonita de Colombia (IMCOL) und der Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden in Deutschland (AMG) aus der Begegnung mit einer Delegation aus Kolumbien. Sie sprechen darüber, was es heißt, in unterschiedlichen gesellschaftlichen und politischen Kontexten Friedenskirche zu sein. Es geht um gemeinsames Friedenszeugnis, internationale Solidarität und gegenseitige Unterstützung. Für die Veranstaltung wird eine digitale Übersetzung angeboten.
24. September: Was sagen wir jungen Menschen?
Zum Abschluss sind Gemeinden, Werke und Verbände eingeladen, ihre historische und gegenwärtige Haltung zum Wehrdienst zu klären. Gibt es heute ein gemeinsames Friedenszeugnis zum Thema Wehrdienst? Welche Orientierung geben Kirchen jungen Menschen, die mit Wehrpflicht, Ersatzdienst oder Kriegsdienstverweigerung konfrontiert werden könnten? Und wie wird aus einer Tradition des Friedens eine erkennbare Haltung in der Gegenwart?
Die Reihe lädt dazu ein, nicht erst zu reagieren, wenn politische Entscheidungen gefallen sind. Wer Frieden ernst nimmt, muss jetzt sprechen. Gäst:innen sind freilich willkommen.
Die Zoom-Zugangsdaten für die Onlineteilnahme werden kurz vor Beginn hier eingeblendet.
Veranstalterin: Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden in Deutschland (AMG)