40 Jahre Community Peacemaker Teams – gelebte Solidarität und gewaltfreier Widerstand
von Un Bekannt
Einladung zur Jubiläumsfeier am 26. September 2026
Community Peacemaker Teams (CPT) unterstützt seit 40 Jahren Menschen und Gemeinschaften, die Gewalt, Vertreibung und Unterdrückung erleben. CPT versteht seine Arbeit als Begleitung: Die Menschen vor Ort bestimmen selbst, was sie benötigen und welchen friedlichen Weg sie gehen möchten. Zu verstehen als ein kollektives Engagement, das sich mit den lokalen Gemeinschaften verbündet, um mittels gewaltfreier Mittel für ihre Rechte, ihr Land und ein Leben in Würde zu kämpfen – durch internationale Präsenz, Dokumentation und konkrete Begleitung.
Die Wurzeln von Community Peacemaker Teams liegen in den Friedenskirchen und Friedensbewegungen der 1980er Jahre. Einen wichtigen Impuls gab im Jahr 1984 der mennonitische Theologe Ron Sider bei der Mennonitischen Weltkonferenz in Straßburg. In seiner Rede rief er dazu auf, Pazifismus nicht nur als Haltung zu verstehen, sondern gewaltfreie Friedensarbeit praktisch und mit persönlichem Einsatz zu leben. Sein Aufruf führte in nordamerikanischen täuferischen Gemeinden zu intensiven Diskussionen darüber, wie eine organisierte gewaltfreie Präsenz in Konfliktgebieten aussehen könnte.
Zwei Argumentationspunkte aus Siders Rede:
Gewaltfreiheit muss praktisch gelebt werden – auch unter persönlichem Risiko.
Sider greift das Bild auf, Jesus bis nach Golgatha zu folgen. Gemeint damit ist, den gewaltfreien Weg Jesu konsequent zu gehen: Gewalt und Unrecht nicht passiv hinzunehmen, sondern ihnen aktiv und gewaltfrei entgegenzutreten – auch dort, wo dies Verfolgung, Verletzung oder den eigenen Tod bedeuten kann.
Der gewaltfreie Weg Jesu verlangt eine ebenso ernsthafte Opferbereitschaft wie der Weg der Gewalt.
Der millionenfachen Bereitschaft, für Krieg und einen durch militärische Gewalt erhofften Frieden zu sterben, steht unser eigenes Bekenntnis zum gewaltfreien Weg Jesu gegenüber. Wenn wir diesen Weg als wirkliche Alternative zum Schwert bekennen, müssen wir bereit sein, für Frieden und Gerechtigkeit auch das eigene Leben hinzugeben – wenn es sein muss, zu Tausenden. Das gilt umso mehr für diejenigen unter uns, die aus vergleichsweise sicheren und privilegierten Verhältnissen anderen Gewaltfreiheit predigen. Sind wir selbst nicht bereit, die Risiken eines aktiven gewaltfreien Widerstands gegen Unrecht zu tragen, haben wir es mit unserem Bekenntnis zur Gewaltfreiheit nie wirklich ernst gemeint. Und wir sollten es niemals wieder wagen, unseren Schwestern und Brüdern in jenen verzweifelten, von Unrecht geprägten Ländern auch nur ein Wort über Pazifismus zu sagen.
1986 kamen schließlich rund 100 Menschen bei Chicago zusammen. Aus diesem Treffen entstand der Aufruf zur Bildung der Christian Peacemaker Teams. In den folgenden Jahren führten erste Delegationen unter anderem nach Haiti, in den Irak und ins Westjordanland. Anfang der 1990er Jahre begann CPT damit, längerfristige Teams aufzubauen, die Gemeinschaften in Konfliktregionen begleiteten.
Mit den Erfahrungen aus dieser Arbeit veränderte sich auch CPT selbst. Aus einer zunächst stark nordamerikanisch und christlich geprägten Initiative entwickelte sich eine internationale Gemeinschaft, in der Menschen unterschiedlicher Herkunft und religiöser Hintergründe zusammenarbeiten. Im Jahr 2022 wurde aus „Christian Peacemaker Teams” deshalb „Community Peacemaker Teams”.
Heute wird in den unterschiedlichsten Situationen und Regionen gearbeitet. In Kolumbien unterstützt die CPT beispielsweise bäuerliche Gemeinschaften, die von Vertreibung bedroht sind. Im Westjordanland helfen Teammitglieder Menschen, die staatlicher und siedlerischer Gewalt ausgesetzt sind. Auf den Ägäischen Inseln erhalten Geflüchtete und migrierende Menschen Hilfe. CPT arbeitet außerdem mit indigenen Gemeinschaften zusammen, die ihr Land und ihre Lebensgrundlagen verteidigen, und begleitet Familien im irakischen Kurdistan.
Hinter all diesen Einsätzen stehen Beziehungen, die oft über viele Jahre wachsen. Zuhören, präsent sein, gemeinsam Wege suchen und Öffentlichkeit herstellen gehören ebenso dazu wie gewaltfreie direkte Aktionen. Nach vier Jahrzehnten bietet das Jubiläum deshalb nicht nur Anlass für einen Rückblick, sondern auch für die Frage, was solidarische Begleitung heute und in Zukunft bedeuten kann.
Einladung zum Jubiläum: „Rooted in community, rising in resistance“
Rooted in community, rising in resistance
Einladung zum Jubiläum: „Rooted in community, rising in resistance“
Am Samstag, dem 26. September 2026 um 18 Uhr mitteleuropäischer Zeit lädt CPT zu einem besonderen internationalen Online-Treffen anlässlich des 40-jährigen Bestehens ein.
Die Veranstaltungssprache ist Englisch.
Eine vorherige Anmeldung ist erforderlich.
Informationen und Anmeldung bei CPT: https://cpt.org/forty
Bei diesem Jubiläumstreffen kommen Menschen zusammen, die ommunity Peacemaker Teams über viele Jahre begleitet und geprägt haben. Sie werden von Begegnungen, Konflikten und Erfahrungen aus vier Jahrzehnten Friedensarbeit erzählen. Dabei werden auch Fragen behandelt, die bis heute aktuell sind: Was bedeutet es, Menschen in ihrem Widerstand gegen Unterdrückung wirklich zur Seite zu stehen? Wie kann gewaltfreies Handeln Räume schaffen, wenn Gewalt den Alltag bestimmt? Und was lässt sich aus 40 Jahren gemeinsamer Arbeit lernen?
Hauptrednerin ist Judy Da Silva, Anishinaabe Elder und Land Defender der Asubpeeschoseewagong First Nation (Grassy Narrows). Ihr Einsatz für den Schutz des Landes und die Rechte ihrer Gemeinschaft verbindet sich unmittelbar mit den Themen des Abends: Gemeinschaft, Widerstand und Solidarität im Einsatz für Gerechtigkeit.
Das Online-Treffen bietet die Gelegenheit, die Menschen hinter der Arbeit von CPT kennenzulernen, ihre Geschichten zu hören und gemeinsam auf 40 Jahre gelebte Solidarität zurückzublicken. Gleichzeitig richtet sich der Blick nach vorn, insbesondere auf die Frage, wie gewaltfreier Widerstand und verlässliche Begleitung auch in den kommenden Jahren Menschen und Gemeinschaften stärken können.
Im Rahmen der Veranstaltung findet außerdem eine Fundraising-Auktion statt, deren Erlös die weitere Arbeit von CPT unterstützt.
Alle, die die Arbeit von CPT kennenlernen oder mehr über gewaltfreie Begleitung und solidarischen Widerstand erfahren möchten, sind herzlich eingeladen, am 26. September online dabei zu sein.
Mehr über CPT, gibt es auf deren Netzseite: www.cpt.org